Die Erfindung des Stahlbetons

 

Der französische Gärtner Josef Monier (*08.11.1823, †13.03.1906) ist einer der Pioniere des frühen Stahlbetons. Monier fertigte um 1850 Blumenkübel aus einem Eisengerippe mit Betonumhüllung, nachdem seine Pflanzenkübel immer wieder zerbrachen, als er sie mit Erde füllte. Monier erhielt 1867 ein Patent auf diese Erfindung. Durch weitere Zusatzpatente dehnte er die Anwendungsmöglichkeiten seines Verfahrens auf die Fertigung von Röhren, Platten, Brücken, Treppen, usw. und damit auf das Bauwesen im eigentl. Sinn aus. Ein zweites Patent 1878 erstreckte sich allg. auf die Herstellung von Beton-Eisen-Konstruktionen. Moniers Konstruktionen bestanden aus dünnen Betonwänden, in die in der Mitte des Querschnitts ein engmaschiges Drahtgeflecht eingelegt war (armierter Beton). Das Netz diente neben der Formgebung auch der statischen Wirkung, so daß Behälter mit einem Fassungsvermögen bis zu 2000 m³ Inhalt nach dem System Monier ausgeführt werden konnten.Bis zum Anfang der 1880er Jahre baute Monier mehrere hundert Behälter für Wasserreservoire und Gasanstalten sowie 1875 die erste Stahlbetonbrücke mit 16,5 m Spannweite.

 

Die Entwicklung der Beton-Eisen-Bauweise ist jedoch nicht der alleinige Verdienst Moniers. Schon vor ihm hatten die Franzosen Mallot (um1845), Lambot (1855) und F. Coignet (1861) sowie der Engländer Wilkinson (1865) ähnliche Konstruktionen entwickelt. Gleichzeitig mit Monier erhielt der Amerikaner Th. Hyatt 1878 ein Patent, das durch die klare Erkenntnis der Zusammenhänge (Eiseneinlagen auf der Zugseite) sogar über Moniers Einsichten hinausging.

 

Nach Monier waren es v.a. die Deutschen G.A. Wayß und M.Koenen (1887) sowie der Franzose F. Hennebique (1892), die der Weiterentwicklung der Bauweise entscheidende Impulse gaben. 1910-13 konstruierte Max Berg (*17.04.1870, †24.01.1947) die grandiose Kuppel der Jahrhunderthalle in Breslau aus verstärktem Beton. 1910 wurde von Maillart in der Schweiz und gleichzeitig in Amerika die sog. Pilzdecke entwickelt. 1916 konstruierte Freyssinet seine Luftschiffhallen in Orly aus Parabelbögen mit quergerippter Oberfläche.

 

Da man Beton in jeder beliebigen Form gießen kann, wobei nur die Bewehrung Bedingungen auferlegt ist, ergeben sich ganz materialspezifische Gestaltungsmöglichkeiten, zu denen besonders Le Corbusier, Nervi, Candela u.a. wichtige Beiträge geleistet haben.

 

 

Quellennachweis: Bibliografisches Institut & F.A. Brockhaus AG 2001, Weltgeschichte der Architektur – Rom, DVA 1988, Stuttgart, Kp.III S. 66 ff